Behandlung von Deformitäten (Fehlstellungen) im Erwachsenenalter

Fehlstellungen der Wirbelsäule im Erwachsenenalter können einmal als Folge eines schweren bandscheibenbedingten Verschleißes (sogenannte De-novo-Skoliose) oder auf dem Boden einer vorbestehenden Verkrümmung (congenitale Skoliose, idiopathische Skoliose) auftreten. In beiden Fällen kann die Verkrümmung zu einem verstärkten Verschleiß der Wirbelgelenke mit nachfolgender Spinalkanalstenose oder einem Abkippen der betroffenen Wirbelkörper (sogenanntes Drehgleiten) führen.

Bei der frühen Form der Erkrankung mit verschleißbedingten Rückenschmerzen kommen konservative Therapieformen, einschließlich minimal-invasiver Therapietechniken zum Einsatz.

Führt der abgerutschte Wirbel zu Einklemmungen der Nerven mit neurologischen Ausfällen (Lähmungen), kann meist nur noch eine Operation helfen, wo mittels Schrauben-Stab Systemen die Wirbelsäule „gerichtet“ und stabilisiert wird. Die grundsätzlichen operativen Therapieprinzipien entsprechen den Prinzipien im Kindes- und Jugendalter. Aufgrund der häufig schlechteren Knochenqualität und des Gelenkverschleißes auch außerhalb der Verkrümmung sind spezielle Anforderungen an die Operationsstrategie und Durchführung der Operation notwendig.

Wir sind Mitglied im Deutschen Skoliose Netzwerk DSN, das zu allen Themen rund um Wirbelsäulenverkrümmungen informiert und Selbsthilfegruppen für Skoliose-, Kyphose- und Morbus Scheuermann-Betroffene organisiert.

Operative Therapien

Langstreckige Korrekturspondylodese bei degenerativer Skoliose

Schwere Verformungen der Wirbelsäule im Alter infolge zunehmender Instabilität der Bewegungssegmente führen zum Abrutschen sowie zu einer Verdrehung der Wirbelsäule und verursachen neben den starken Rückenschmerzen auch Nervenschäden (degenerative Skoliose). Bei langandauernden, therapierefraktären Schmerzen kann eine operative Stabilisierung und Begradigung der Wirbelsäule mittels Schrauben-Stab-System notwendig werden (siehe Operative Stabilisierung bei Wirbelgleiten).

Korrektureingriffe bei Kyphose

Neben den Skoliosen (Seitausbiegungen der Wirbelsäule), sind die Kyphosen („Buckelbildung“, „Gibbus“) eine weitere Gruppe von Fehlstellungen der Wirbelsäule. Krankhafte Kyphosen können sowohl an der Hals-, Brust- als auch Lendenwirbelsäule auftreten. Während im Kindesalter eine krankhafte Kyphose meist mit einer primär konservativen Behandlung therapiert werden kann, müssen schwerer strukturelle Kyphosen im Kindes- und Erwachsenenalter operativ behandelt werden.

Hierzu stehen je nach Lokalisation und Schweregrad verschiedene Techniken zur Verfügung. Bei den sogenannten dorsalen Osteotomien (Ponte-Osteotomie, Smith-Peterson-Osteotomie) werden über dorsale v-förmige Osteotomien die dorsalen Strukturen reseziert und die Wirbelsäule mobilisiert. Mittels Kompression über ein Schrauben-Stab-System wird die Wirbelsäule dann verkürzt und die Fehlstellung beseitigt.

Ausgeprägte anguläre („knickförmige“) Kyphosen müssen mit einer Pedikelsubtraktionsosteotomie (PSO) operativ therapiert werden. Die Osteotomien unterscheiden sich durch das Ausmaß der knöchernen Resektion. Die komplette Resektion eines gesamten Wirbels zur Beseitigung einer Kyphose (vertebral column resection) ist nur selten in Ausnahmefällen notwendig.

Beispiel

Korrektureingriffe bei Kyphose

Patient/in: 17 Jahre, männlich
progrediente Rückenschmerzen mit Rundrückenbildung der Brustwirbelsäule
Diagnose: Schwere Verlaufsform einer Scheuermann-Kyphose, Stangara-Winkel 95°
Abbildungen: Klinisches Bild mit ausgeprägter Rundrückenbildung der Brustwirbelsäule (links)
Präoperatives Röntgen: kyphotische Deformierung der Brustwirbelsäule mit einem Winkel von 95° (TH 2 - TH 12)
Postoperatives Röntgen: ventro-dorsale Korrekturspondylodese TH 3 - LWK 1 mit einem Winkel von 55°
kindliche Kyphose kindliche Kyphose Korrekturspondylodese
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