Behandlung von Hypophysentumoren

Die Hypophyse (Hirnanhangdrüse) ist eine etwa erbsengroße Drüse unterhalb des Gehirns. Sie setzt verschiedene Hormone frei und ist mitverantwortlich für die hormonelle Steuerung und Regulierung des Körpers. Tumore an der Hypophyse gelten als relativ selten. Priv.-Doz. Dr. med. Jürgen Kreutzer hat sich auf die Operation dieser Tumore spezialisiert, insbesondere auf die sogenannte „transsphenoidale Operation“, bei der nicht über das Gehirn, sondern über die Nase operiert wird.

Therapieformen im KWHC

Wurde die Diagnose eines Hypophysenadenoms gestellt, ist je nach Größe des Tumors und den Hormonwerten im Blut, eine mikrochirurgische Operation, eine Bestrahlung oder eine medikamentöse Therapie angezeigt. Bis auf die Prolaktin-produzierenden Hypophysenadenome ist die transsphenoidale Operation dabei nach einheitlicher Meinung der beteiligten Fachgesellschaften für Neurochirurgie und Endokrinologie die Therapieform der ersten Wahl.

Falls möglich erfolgt die Hypophysenoperation transsphenoidal, das heißt durch die Nase, um eine Schädeleröffnung „von oben“ (sog. transkranielle Operation) zu vermeiden. Dies ist in mehr als 85 Prozent der Tumore möglich. Die transsphenoidale Operation erfordert aufgrund der Tumorlokalisation im Bereich der Schädelbasis, des Zugangs über die Nase und den speziellen dafür notwendigen Instrumenten viel Erfahrung möglichst durch eine große Anzahl bereits vom Operateur durchgeführter transsphenoidaler Eingriffe (sog. Case load), was wissenschaftlich belegt, speziell bei hormonaktiven Tumoren die Heilungsquote (Remissionsrate) bei den Patienten erhöht.

Die Eingriffe erfolgen im Klinikum Nürnberg in Kooperation mit der dortigen Neurochirurgie und der Klinik für HNO unter Einbeziehung aller technischen Möglichkeiten wie Endoskopie und intraoperative Navigation (Neuronavigation). Die Beratung findet ambulant im Kompetenzzentrum Wirbelsäulen- und Hypophysenchirurgie statt.

Wir sind Mitglied im Netzwerk Glandula (Netzwerk Hypophysen- und Nebennierenerkrankungen).


PD Dr. Jürgen Kreutzer transsphenoidale Hypophysen-Operation

Die Hypophyse und ihre Tumore

Die Hypophyse (Hirnanhangdrüse) ist eine der wichtigsten Hormondrüsen im menschlichen Körper. Tumore der Hirnanhangdrüse (meist gutartige sog. Hypophysenadenome) können zu unterschiedlichsten Symptomen führen, je nachdem, ob sie selbst Hormone produzieren und diese an den Körper des Patienten abgeben (hormonaktive Adenome) oder ob sie hormonell „stumm“ (hormoninaktiv) sind und dafür durch ihr verdrängendes Wachstum und Druck auf die normale Hypophyse oder umgebende Anteile des Gehirns auffallen. Dabei werden folgende Hypophysentumore unterschieden:

Prolaktin-produzierendes Hypophysenadenom (Prolaktinom)

Zu den hormonaktiven Hypophysenadenomen zählt das Prolaktin-produzierende Hypophysenadenom (Prolaktinom), welches aufgrund der Prolaktinspiegelerhöhung (Hyperprolaktinämie) bei Frauen meist durch einen Ausfall der Zyklusblutung (Amenorrhoe) und/oder Milchfluss aus der Brust (Galaktorrhoe) auffällt. Bei Männern kann ebenfalls eine Galaktorrhoe auftreten, häufig ist das primäre Symptom hier aber ein Libido- und Potenzverlust. Die Prolaktinome sind die einzige Untergruppe der Hypophysenadenome, die in der Regel sinnvoll und dauerhaft allein medikamentös therapiert werden können (durch sog. Dopaminagonisten). Eine Operation wird bei dieser Untergruppe meist nur dann notwendig, falls die Medikamente definitiv nicht vertragen werden oder sich der Prolaktinspiegel und die Tumorgröße trotz Medikament nicht senken lassen sollten.

Wachstumshormon (GH) produzierendes Hypophysenadenom (Akromegalie)

Produziert das Hypophysenadenom selbst kontinuierlich Wachstumshormone (growth homone/GH), verändern sich im Laufe der Zeit die Gesichtszüge der Patienten bei gleichzeitiger Größenzunahme der Hände und Füße. Häufig müssen Fingerringe geweitet werden, die Schuhgröße nimmt zu, es entstehen immer wieder neue Zahnlücken aufgrund der Größenzunahme des Kiefers. Das daraus resultierende Krankheitsbild, die sog. Akromegalie, führt dann letztlich über die Erhöhung des GH- und IGF-1 Spiegels (einem insulinähnlichen Hormon) zu krankmachenden Stoffwechselveränderungen (Diabetes mellitus/Zuckererkrankung, Hypertonus/hoher Blutdruck).

ACTH-produzierendes Hypophysenadenom (Morbus Cushing)

Wird ständig ohne regulierende Kontrolle des Körpers das Hormon ACTH von dem Tumor ausgeschüttet (ACTH-produzierendes Hypophysenadenom) führt dies dazu, dass auch ständig zu viel Cortisol aus den Nebennieren ausgeschüttet wird und das Krankheitsbild des sog. Morbus Cushing entsteht. Hierbei handelt es sich um eine im Verlauf schwere endokrinologische (Stoffwechsel-) Erkrankung, bei der Muskelmasse in den Armen und Beinen abgebaut wird mit entsprechender Schwäche (Myopathie) bei gleichzeitiger deutlicher Gewichtszunahme. Häufig wird neu ein Bluthochdruck und/oder Diabetes diagnostiziert. Das Gesicht nimmt eine rötliche Färbung an und wird deutlich voller ("Vollmondgesicht").

Hormoninaktives Hypophysenadenom

Hormoninaktive Hypophysenadenome fallen häufig erst spät durch den Druck, den sie auf benachbarte Strukturen ausüben, auf. In erster Linie können sie über die Verlagerung der Sehnerven und der Sehnervenkreuzung zu einer Verschlechterung des Sehvermögens (Visusverlust) und einer Einengung des Gesichtsfeldes (Scheuklappenphänomen) führen (= sog. Chiasma-Syndrom). Die Verschlechterung des Sehvermögens verläuft dabei aufgrund des langsamen Wachstums der Hypophysenadenome meist so langsam, dass die Patienten dies häufig erst sehr spät selbst bemerken. Durch die Kompression der restlichen normalen Anteile der Hirnanhangsdrüse wird deren reguläre Hormonausschüttung schlechter und kann schließlich komplett ausfallen (sog. Hypophysenvorderlappeninsuffizienz). Es können davon alle Steuerhormone der Hypophyse und damit deren Zielorgane betroffen sein: am wichtigsten sind hierbei der Mangel an ACTH und damit Cortisol (die sog. Nebennierenrindeninsuffizienz), der Mangel an TSH und damit Schilddrüsenhormon (Hypothyreose) sowie der Mangel an Sexualhormonen wie Testosteron oder LH/FSH zu erwähnen. Neben spezifischen Symptomen führt der daraus resultierende Hormonmangel bei den Patienten ganz allgemein zu einem schlechter werdenden Allgemeinzustand, gekennzeichnet durch eine reduzierte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit mit Gewichtsverlust, Kälteintoleranz („ständiges Frieren“) und Verlust der sexuellen Lust (Libido und Potenzprobleme).

Andere Tumore der Hypophyse/Sellaloge

Neben den Hypophysenadenomen gibt es noch andere eher seltenere Tumore der Hirnanhangsdrüse wie Kraniopharyngeome, Zysten der Rathke`schen Tasche, Keimzelltumore oder Kolloidzysten, die in der Regel wie hormoninaktive Hypophysenadenome auffallen, aber zusätzlich noch den Hypophysenhinterlappen beeinflussen und so zu einem Mangel an dem dort produzierten ADH und damit zum Krankheitsbild des sog. Diabetes insipidus führen. Dabei verliert der Körper des Patienten einen Teil seiner Fähigkeit, den Wasserhaushalt zu regulieren, so dass die Patienten ständig durstig sind und im Extremfall stündlich, auch nachts, zum Wasser lassen auf die Toilette gehen müssen.

Hypophysen-Spezialist Priv.-Doz. Dr. Med. Jürgen Kreutzer

Priv.-Doz. Dr. Jürgen Kreutzer ist seit mehr als 16 Jahren als Neurochirurg auch Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) und nimmt regelmäßig an den Treffen der Arbeitsgruppe Hypophyse der DGE teil. Er zählt in Deutschland durch seinen universitären Werdegang an den Hochburgen für Hypophysenchirurgie in Erlangen und Charlottesville/USA zu einer kleinen Gruppe von nur etwa 6 bis 7 spezialisierten Neurochirurgen, die jeder über eine persönliche Erfahrung von mehr als 1000 transsphenoidalen Operationen verfügen (bei der prinzipiell seltenen Erkrankung „Hypophysenadenom“ mit jährlich nur ca. 40 neu diagnostizierten Patienten pro 1 Mio. Einwohner).


PD Dr. Jürgen Kreutzer Hypophyse (Hirnanhangdrüse) Hypophyse transsphenoidale Operation

Priv.-Doz. Dr. med. Jürgen Kreutzer nimmt sich Zeit für die Fragen und Aufklärung seiner Patientinnen und Patienten.

Zweitmeinung

Gerne können Sie Ihre MRT Aufnahmen zusammen mit Ihren Hormonbefunden jederzeit auch für eine Zweitmeinung oder eine erste Sichtung aus hypophysenchirurgischer Sicht an uns schicken.

Transsphenoidale Hypophysen-Operation

Die Hypophyse liegt an der unteren Seite des Gehirns und kann über die Nase erreicht werden. Diese Art des Eingriffs ist für den Patienten schonend, da der Schädel nicht geöffnet werden muss. Je nach Größe und Lage des Tumors ist dieser Eingriff jedoch nicht immer möglich.

Zugang zur Hypophyse durch die Nase
(vereinfachte Darstellung)

transsphenoidale Hypophysen-Operation

Beispiel: Großes Makroadenom der Hypophyse vor und nach der transsphenoidalen Operation

Hypophyse Makroadenom präoperativ
Präoperativ: von vorne (coronal) und von seitlich (sagittal)
Hypophyse Makroadenom postperativ
Postoperativ: von vorne (coronal) und von seitlich (sagittal)

Kurzprofil